Der Volkskommunikator - VK

VK – Kapitel 1 – Teil 3

Der Raum hatte sich über Nacht mit Schweiß und Fußgeruch gefüllt. Gert war vom Sport geflohen, weil der smarte Tobi ihn umgarnte. Den Verzicht auf eine Wäsche roch man an diesem Morgen in Raum K012.

Punkt sieben Uhr klopfte es an der Tür. Gert drehte sich. Ilses Brief knisterte unter ihm.

„Gert! Steh auf!“, Däpp hämmerte kräftiger an die Tür. Johann bestand auf Pünktlichkeit.„Geh schon vor. Ich komme gleich.“, Gert war schlaftrunken. Er fand keine Ruhe nach dem Vorfall mit Tobi. Immer wieder wachte er des Nachts auf und seine Gedanken kreisten dann um den galanten Monteur aus Sektor 5A. Der Bursche war ohne Zweifel ein grandioser Crack, aber dessen mutige Avancen schienen Gert zuwider. Vor Jahren hatte er Erfahrungen von gleicher Art im Knabenchor einer Kirche gesammelt. Der greise Chorleiter kümmerte sich weiland vor allem um Gerts jungen Körper.

Johann wartete entgegen der Weisung. Er hob die Hand und setzte zu einem weiteren Klopfen an, als die Tür sich öffnete und Gert aus dem Zimmer trat.

„Gehen wir!“, grußlos presste sich Gert an Johann vorbei. Der Gang war schmal.

„Ja, guten Morgen.“, frotzelte Däpp.

Die Werkstatt lag eine Ebene oberhalb und auf der anderen Seite der Anlage. Den Weg nutzte Gert und erzählte von der Begegnung mit Tobi.

„Jeder hier weiß doch von Tobias!“, erboste sich Johann über die Naivität.

„Halt dich von diesem Strolch fern, Gert. Das ist wider die Natur.“, fügte Johann an.

„Okay, werde dran denken.“, murmelte Gert.

„Gert, der neue Fagott-Spieler ist gestern angekommen.“

„Und wie heißt er?“, verlangte Gert nach mehr Information.

„ER heißt Käthe. Käthe Winschlett. Traumhaft schön und blond wie ein Filmstar.“, Johann lachte schallend.

„Wer nennt seinen Buben bitte Käthe?“, prustete Gert.

„Mein Gott, bist du doof. Ich frage mich ernsthaft, wie du Atomphysiker werden konntest. ER ist eine SIE.“, motzte Däpp.

„Du hörst dich an wie Brütsches.“

„Tut mir leid Gert. War nicht so gemeint.“

Kurz später kamen Gert und Johann zur Werkstatt, wo die Herren aus Berlin längst warteten. Die Rohtrieges hatte die Delegation durch die Anlage geführt.

„Pünktlichkeit scheint nicht Ihre Tugend. Wir haben einen Krieg zu gewinnen.“, mahnte der Mann im Mantel.

Johann bat um Nachsicht und drehte den Schlüssel in der schweren Tür.

„Bitte treten Sie ein.“

„Zeigen Sie uns diese Erfindung, welche uns zum Endsieg führen wird.“, forderte der Mann im Mantel. Dabei spielte er mit seiner Pistole, die locker im Halfter saß.

Gert nahm den Prototyp und erklärte die Funktion. Wortlos nahm Johann Däpp einen anderen VK und verließ den Raum.

„Wo will der hin?“, fragte der Mann im Mantel eindringlich.

„Passen Sie gut auf.“, Gert hielt seinen VK vor die Männer.

„Jeder VK hat eine Nummer. Ich gebe jetzt über diese Tasten die Nummer des zweiten VK ein und drücke hier drauf.“, demonstrierte Gert.

Totenstille in der Werkstatt. Gert trat der Schweiß auf die Stirn. Die Herren starrten erwartungsvoll. Plötzlich klang es von draußen, als würde man mit einem Löffel in einer Schüssel aus Blech scheppern.

„Gert?“, krächzte es aus dem VK.

„Gert?“

„Phänomenal!“, johlte der Mann im Mantel.

„Wie weit…“

„Von hier bis Kamtschatka, wenn Sie wollen.“, unterbrach Gert.

„Gute Arbeit. Jeder Soldat an der Front, jeder Deutsche im Reich soll ein Gerät bekommen. Bauen Sie so viel, Sie können.“, forderte die Delegation.

Frau Rohtrieges führte die Herren aus der Werkstatt. Gert und Johann fielen sich in die Arme. Die Vorstellung war ein voller Erfolg.

Kommentar verfassen